Am 07.10. und 08.10.2019 waren wir dank der finanziellen Unterstützung der Doris-Wuppermann-Stiftung für zwei Projekttage am Freien Gymnasium Naunhof. Ingesamt konnten wir mit 40 Schüler:innen und zahlreichen Betzavta-Momenten Demokratie mitten in die Klassen holen.

Geplant ist nun, das Projekt „Miteinander.Demokratie.Leben“ für 2020 an sächsische Berufsschulen zu bringen. Mit Berufsschüler:innen sozialer Berufe wollen wir Möglichkeiten ausloten, in der Klasse, im zukünftigen Team und in der Gesellschaft demokratisch handlungsfähig zu sein.

Wenn Sie Interesse an der Durchführung eines Projekttags an Ihrer Schule haben, schreiben Sie uns!

Projekttag am 07.10.2019:

Mit insgesamt 22 Schüler:innen startete der erste Projekttag mit einer „Schneeballschlacht“. Die Teilnehmenden waren aufgefordert, drei typische Merkmale von sich selbst zu notieren, aus den Notizen einen Schneeball zu formen und ihn den anderen Schüler:innen zuzuspielen. Es begann ein Rätselraten, auf wen nun die Merkmale zutreffen könnten. So erfuhren nicht nur die Trainerinnen, sondern auch die Schüler:innen das ein oder andere Neue über ihre Klasse. Mit der Zollstockübung wurde dann nicht nur die Geschicklichkeit der Teilnehmenden getestet. Das Vorgehen einer Betzavta-Übung konnte an diesem Beispiel gut erläutert werden: Sie erleben in Gruppe einen Prozess, der im Anschluss gemeinsam reflektiert wird. Nach einer kleinen Pause ging es los mit der ersten Übung.

Bei der Übung „Drei Freiwillige“ verlassen drei Teilnehmende den Raum und warten etwa 20 Minuten vor der Tür. Der Rest der Klasse überlegt sich währenddessen ein Thema, über das kontrovers diskutiert werden kann, filtert aus diesem Thema Schlüsselworte heraus, die dann durch gänzlich andere Worte ersetzt werden und erschafft in der Gruppe ein Tabu, das enstprechend sanktioniert wird. Die Diskussion um „Brot“, das „verbrannt“ werden soll (oder auch nicht) führte an diesem Tag unweigerlich zu einigen Lachern. Natürlich hatten die drei Freiwilligen einige Mühe, der Diskussion zu folgen, nachdem sie wieder in die Klasse hereingeholt wurden. Reflektiert wurde nach weiteren 20 Minuten, inwieweit die Freiwilligen eingeweiht und so in die Klasse integriert wurden.

Für die Übung „Kreis und Turm“ wurde die Klasse in zwei Gruppen geteilt. Die eine Hälfte hatte die Aufgabe, aus 15 Stühlen einen Turm zu bauen, die andere Hälfte sollte aus den gleichen Stühlen einen Kreis bauen. Schnell einigten sich die Teilnehmenden auf einen Kompromiss und bauten einen kreisrunden Turm (bzw. einen turmartigen Kreis) aus den vorhandenen Stühlen – der erwartete Kampf um die geringen Ressourcen blieb zwar aus, laut wurde es trotzdem. Gemeinsam wurde im Anschluss überlegt, warum der Großteil der Teilnehmenden trotz des gefundenen Kompromisses mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren.

Um die Bedürfnisabfrage als wichtigen Teil demokratischer Prozesse herauszustellen und die Unterschiede zwischen Konsens, Kompromiss und Mehrheitsentscheid gemeinsam herauszuarbeiten, wurde der Tag mit der Übung „Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ abgeschlossen.

Projekttag am 08.10.2019:

Wo ist Dir zum ersten Mal Demokratie begegnet? Mit dieser Frage startete der zweite Projekttag mit 18 Schüler:innen einer neunten Klasse des Gymnasiums. Vielfach erinnerten die Teilnehmenden Wahlen, an denen die Eltern teilnahmen oder Abstimmungen in der Grundschule.

Auch am zweiten Tag erlebten die Schüler:innen die Übung „Drei Freiwillige“, die aber natürlich ganz anders verlief als am Tag zuvor. Die Freiwilligen machten schnell deutlich, dass sie sich ein aktiveres Einbeziehen in die Gruppe gewünscht hätten – der Rest der Klasse wünschte sich, die Freiwilligen hätten diesen Bedarf auch kundgetan. Gemeinsam wurde daraufhin überlegt, wie Integration im größeren Rahmen gelingen kann.

In „Ist uns doch egal“ waren die Teilnehmenden aufgefordert, sich verschiedenen genannten Gruppen zuzuordnen (Alle, die Schokolade mögen; Alle, die Mathematik mögen; Alle Mädchen; Alle, die sich reich fühlen etc.). Welche dieser Zuordnungen verschafft Vor- oder Nachteile? Für welche Zuschreibung ist man selbst verantwortlich? Unter diesen Fragen wurde sich im Anschluss über die Diversität der Gesellschaft unterhalten. Danach standen sich in der Übung „Die Obergrenze“ zwei Gruppen gegenüber. Aufgabe war es, dass jedes Teammitglied ohne Hilfsmittel eine an der Wand markierte Grenze erreicht. Für viele hing diese Markierung aber zu hoch. Auch hier wurde nach der Übung stark diskutiert – über Ressourcen, Voraussetzungen, Privilegien und darüber, ob Schulnoten in Fächern wie Sport und Musik überhaupt gerechtfertigt seien.

Mit einer NÜM-Runde wurde der Tag abgeschlossen. Dafür überlegten die Schüler:innen, was sie an diesem Tag besonders „N“achdenklich gestimmt hat, was sie „Ü“berrascht hat und was sie als „M“erkenswert empfanden.